Unesco-Weltkulturerbe mit lebendiger Atmosphäre

Kloster Maulbronn

Kloster Maulbronn, Klostermauer und Wirtschaftshöfe; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl
Kochen für Mönche, Gäste und Gesinde

Die Küchenbereiche

Ein Konvent von der Größe Maulbronns und die Vielschichtigkeit der in ihm lebenden Personen erforderte mehrere Küchenstandorte und -ausstattungen. So wurden die Speisen der Mönche innerhalb der Klausur zubereitet und die Gerichte für Gäste oder das Gesinde in separaten Küchen.

Mittelalterliche Bäckerei; Foto: Wikipedia, gemeinfrei.

Gebacken wurde in der Bäckerei des Wirtschaftshofs.

Unterschiedliche Küchen

Der strenge Tagesablauf mit festen Essenszeiten bedeutete, dass die Küchen in kurzer Zeit viele Leute mit Speisen versorgen mussten. Außerdem waren sie auf die Zuleitung von ausreichend Frischwasser angewiesen und mussten so gelegen sein, dass Abwässer abgeführt werden konnten. In der Konventsküche am Kreuzgang wurde für die Mönche in den Refektorien gekocht. Die Infirmerieküche versorgte Kranke und die Abtei mit Speisen. Ein weiterer Küchenbau war für die Gäste des Klosters zuständig.

Das Herrenrefektorium von Kloster Maulbronn; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl.
Das Laienrefektorium von Kloster Maulbronn; Foto: Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege, Bernd Hausner.

Im Herren- und im Laienrefektorium haben sich die Durchreichen zur Klosterküche erhalten.

Die Klosterküche

Die Kloster- oder Konventsküche lag im Nordflügel der Klausur, zwischen den beiden Refektorien. Sie war von keinem der Speisesäle, aber vom Kreuzgang aus zugänglich. Erhalten haben sich Durchreichen zur Küche an der Westwand des Herrenrefektoriums und an der Ostwand des Laienrefektoriums. Die Klosterküche lag, wie in Klöstern zumeist üblich, diagonal zum Sanktuarium. Der Rauch der Kochstelle und störende Gerüche sollten möglichst weit entfernt sein von der heiligen Stelle des Gottesdienstes.

Kloster Maulbronn, das Haus des Pfisterers und die Bäckerei; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl

Im Wirtschaftshof stehen Koch- und Backhäuser.

Kochen und backen im Klosterhof

Die Klosterküche zwischen den Refektorien versorgte nicht alle Personen im Kloster mit Speisen. Die im Osten der Klausur gelegene Infirmerie besaß eine eigene Küche, die möglicherweise auch die Abtei versorgte. Weil Küchen mit ihren offenen Feuern an den Herdstellen eine Gefährdung für das Kloster darstellten, waren die einzelnen Küchenanlagen als freistehende Gebäude konzipiert. Maulbronn verfügte zum Beispiel über eine Pfisterei, also eine Klosterbäckerei mit angeschlossener Mühle, im Wirtschaftshof.

Kloster Maulbronn, das Frühmesserhaus; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Julia Haseloff.
Kloster Maulbronn, der Kamin im Frühmesserhaus; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Julia Haseloff.

Das Frühmesserhaus mit seinem großen Kamin könnte einst eine Küche für Gäste gewesen sein.

Der Kamin im Frühmesserhaus

Im Westen der Klosteranlage befindet sich das sogenannte Frühmesserhaus. Der kleine Bau schloss sich an das westliche Klostertor an. Im Inneren ist er in zwei Räume unterteilt: Ein schmaler mit einem weiten Bogen geöffneter Eingangsraum und ein hoher etwas breiterer Raum mit einem großen offenen Kamin. Hier wurden möglicherweise die Speisen für das in der Nähe befindliche Gästehaus, in dem die Gäste des Klosters untergebracht waren, zubereitet.

TIPP

Im Museum auf dem Schafhof beim Kloster Maulbronn ist eine Küche aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Die offene Feuerstelle, Gerätschaften und Mobiliar lassen eintauchen in das Leben einer längst vergangenen Zeit.

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