Unesco-Weltkulturerbe mit lebendiger Atmosphäre

Kloster Maulbronn

Kopf der Maria mit behutsam retuschierten Resten der Gesichtsfarbe; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt
Restaurierung brachte wertvolle Erkenntnisse

Die Maulbronner

Madonna

Seit 2013, nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten, thront die Maulbronner Madonna wieder im Chor der Klosterkirche. Die Skulptur aus Walnussholz ist zwischen 1307 und 1317 vermutlich in Köln entstanden. Wie die kostbare Marienfigur mit Kind nach Maulbronn kam, ist ein Rätsel.

Gesamtansicht der Madonna; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Dirk Altenkirch

Im Chor der Klosterkirche erstrahlt sie in neuem Glanz.

Eine überragende Gestalt des Mittelalters

Allein durch ihre Größe von 170 Zentimetern tritt die Maulbronner Madonna aus der Reihe der Marienskulpturen des frühen 14. Jahrhunderts hervor. Die Figur ist aus einem Walnussstamm geschnitzt und hat eine Kammer auf der hohlen Rückseite. Sie beindruckt zudem durch ihre Eleganz, sichtbar in den fließenden Gewandfalten und der leichten Bewegung. Den tatsächlichen kunsthistorischen Rang der thronenden Maria mit Kind brachte die Restaurierung zutage sowie Vergleiche auf einem wissenschaftlichen Kolloquium 2011.

Restauratorin Magdalena Schlesinger bei der Arbeit an der Madonna; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Die Restauratorin bei der Arbeit.

Restaurator machte Holzschädlingen den Garaus

Dem Restaurator Dr. Felix Muhle gelang es, die Schädlinge im Holz der Madonna zu bekämpfen. Dabei wandte er in den Restaurierungswerkstätten der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ein thermisches Verfahren an. Die naturwissenschaftlichen und restauratorischen Untersuchungen erfolgten beim Kooperationspartner, der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Für ihre Diplomarbeit im Studiengang Restaurierung analysierte Magdalena Schlesinger die Maulbronner Madonna.

Ursprüngliche Farbfassung der Bortenverzierung; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Originalbefund der Bortenverzierung vom Mantelsaum.

URSPRÜNGLICH PRÄCHTIGE FARBFASSUNG

Die angehende Restauratorin wies nach, dass die Figur ursprünglich eine verzierte farbige Fassung mit Vergoldungen an Kleid, Mantel und Haar besessen hatte. Das blau gefärbte Mantelfutter imitierte durch Verzierungen den Pelz eines Eichhörnchens. Auf den Vergoldungen und Mantelsäumen waren Ornamente und Glassteine angebracht. Heute ist die Figur wieder eine Augenweide im Chor der Maulbronner Klosterkirche.