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Unesco-Weltkulturerbe mit lebendiger Atmosphäre

Kloster Maulbronn

Kloster Maulbronn, Kerzenschein
BEGEISTERTUNG FÜR DAS MITTELALTER

KLOSTER MAULBRONN IM 19. JAHRHUNDERT

Das 19. Jahrhundert war romantisch angehaucht – Kloster Maulbronn wurde nun als mittelalterliche Schönheit wahrgenommen. Maler und Literaten widmeten sich den schönsten Ecken, Architekten versuchten mit Um- und Neubauten, das Kloster an ihr „Idealbild“ des Mittelalters anzupassen.

Kloster Maulbronn, Wirtschaftsgebäude

Maulbronn wurde zum Objekt der Begeisterung.

SEHNSUCHT NACH DEM MITTELALTER

Für Jahrhunderte richtete sich der Umgang mit der Klosteranlage Maulbronn hauptsächlich nach den praktischen Bedürfnissen der dort ansässigen Klosterschule. Das änderte sich, als im 19. Jahrhundert das Mittelalter mit seinen Sagen und Mythen glorifiziert und ein romantisches Geschichtsbild verbreitet wurde. Burgen, Klöster und Ruinen wurden zu nationalen Baudenkmälern erklärt. Kloster Maulbronn wurde zum Sehnsuchtsort und zum beliebten Ausflugsziel.

Kloster Maulbronn

Kloster Maulbronn: Anziehungspunkt für Maler und Literaten.

SCHÖNHEIT IN WORT UND BILD

Maler und Literaten fühlten sich besonders von Maulbronn angezogen. „Malerische Mauern, Erker, Tore, Gärtchen, eine Mühle, Wohnhäuser umkränzen behaglich und heiter die wuchtigen alten Bäume“ – so beschrieb der Schriftsteller Hermann Hesse noch 1906 die Idylle. Die romantische Klosterkirche und die pittoresken Ecken inspirierten zahlreiche Künstler wie Albert Emil Kirchner, Michael Neher oder Christian Mali zu Skizzen und Gemälden der Klosteranlage. Als Studienobjekt hielt Kloster Maulbronn Einzug in die Lehrpläne der württembergischen Hochschulen und Akademien.

Kloster Maulbronn

Erwünscht war eine freie Sicht auf die Klosterkirche.

KLOSTERKIRCHE UND KLAUSUR

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts widmete man sich der Sicherung und Bestandshaltung des mittelalterlichen Baubestands. Im Zentrum des Interesses standen Klosterkirche und Klausur. Elemente, welche die freie Sicht auf die Kirche versperrten, wie die alte Speisung vor der Westfassade, wurden entfernt. Der dicht bebaute Klosterhof ähnelte der üblichen ländlichen Siedlung und wurde als störend empfunden. Die Gemeinde Maulbronn und das dörfliche Leben wurden daher immer weiter aus den Klostermauern zurückgedrängt.

Kloster Maulbronn, Brunnenhaus

Der Brunnen im Brunnenhaus – frei rekonstruiert nach mittelalterlichem Vorbild.

KREATIVE REKONSTRUKTIONEN

Zahlreiche Veränderungen am Klostergebäude selbst wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführt – vor Augen hatte man dabei ein „mittelalterliches Idealbild“. Der Klausurbereich wurde auf diese Weise zurückgebaut, das Laienrefektorium erhielt ein neues Obergeschoss mit Rundbögen nach romanischem Vorbild. Der berühmte dreischalige Brunnen entstand durch das Zusammensetzen mittelalterlicher Brunnenteile und einer gehörigen Portion Fantasie. Neu waren beispielsweise die wasserspeienden Löwenköpfe.