Unesco-Weltkulturerbe mit lebendiger Atmosphäre

Kloster Maulbronn

Maulbronner Klosteranlage mit Fischweihern; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Arnim Weischer
„Flussgemüse“ statt Fleisch

Die Fischzucht

Fleisch zu essen war den Zisterziensern verboten, Fisch zu essen erlaubt. Daher war die Fischzucht für die Maulbronner Mönche von großer Bedeutung. Sie legten ein einzigartiges Teichsystem mit 20 Stauseen und Weihern an, das – zusammen mit der gesamten Klosteranlage – zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

FISCH AUS DEN EIGENEN WEIHERN

Den Zisterziensern war es verboten, das Fleisch „vierfüßiger Tiere“ zu essen. Fische fielen als „Flussgemüse“ jedoch nicht unter das Verbot. Entsprechend spielte Fisch im Klosteralltag eine wichtige Rolle. Doch in Fastenzeiten stieg auch die Nachfrage nach Fisch in der Bevölkerung. Um diesen großen Bedarf zu decken, ging Kloster Maulbronn wie viele andere Klöster dazu über, Fische in seinen Weihern zu züchten. Vor allem Aale, Hechte und Karpfen wurden in den Klosterteichen gezüchtet und von den Mönchen verkauft oder selbst gegessen.

Mönche beim Fischen, Motiv auf dem Kachelofen im Sommerrefektorium von Kloster Salem; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Zisterzienser-Mönche beim Fischen.

AUFWÄNDIGE FISCHZUCHT

Die unterschiedlich großen Teiche in Maulbronn zeugen von einer aufwändigen und spezialisierten Fischzucht. Hier wurden Fische eigens nach Alter, Größe und Art eingesetzt und aufgezogen. Karpfen und Hecht waren die bedeutendsten Speisefische in Maulbronn. Es finden sich aber auch Schleien, Barsche, Rotaugen und Karauschen in den Besatzlisten der Mönche. Von den im 12. Jahrhundert angelegten Weihern sind heute nur noch drei vollständig erhalten: der Tiefe See, der Roßweiher und der Aalkistensee.

Kloster Maulbronn - Kiesersche Forstkarte Nr. 95 (Detail) aus dem Stromberger Forst von 1684; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Robert Bothner

Die Mönche legten eigene Weiher zur Fischzucht in der Umgebung an.

Karpfen im Teich; Foto: Pixabay, gemeinfrei

Karpfen stand regelmäßig auf dem Speiseplan.

PERFEKTIONIERUNG DER KARPFENZUCHT

Die Karpfenzucht wurde im Kloster Maulbronn weiter entwickelt und perfektioniert. Mit viel Geduld und Mühe gelang es den Mönchen, den Spiegelkarpfen zu züchten, der – im Vergleich zum Wildkarpfen – nur noch wenige Schuppen besitzt. Das taten sie, um die Zähne zu schonen: Speisen sollten möglichst leicht zu kauen sein, da es um die Gesundheit von Zähnen nicht zum Besten stand und Karpfen mit Haut und Schuppen gegessen wurden

Ansicht von Speyer, Ausschnitt aus einem Holzschnitt aus Sebastian Münsters „Cosmographia universalis“, Basel 1550; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Fischhandel mit Speyer.

REGER HANDEL MIT FISCH

Zwischen dem Maulbronner Kloster und dem Dom in Speyer gab es einen regen Handel mit Fisch: Weil der Aal, einer der fettreichsten und im Mittelalter einer der beliebtesten Fische, nicht in Binnengewässern laichen kann, fanden im 15. Jahrhundert Fischtransporte zwischen Maulbronn und Speyer statt. Karpfen wurden in mit nassem Stroh gefüllten Fässern zum Dom in Speyer gebracht und Aale aus dem Oberrhein wurden in Kisten zum Aalkistensee nach Maulbronn transportiert.

TIPP

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Von Tisch und Tafel