Unesco-Weltkulturerbe mit lebendiger Atmosphäre

Kloster Maulbronn

„Flussgemüse“ statt Fleisch

Die Fischzucht

Fleisch zu essen war im Alltag der Zisterzienser verboten. Entsprechend war die Fischzucht für die Maulbronner Mönche von großer Bedeutung. Sie legten ein einzigartiges Teichsystem mit 20 Stauseen und Weihern an, das – zusammen mit der gesamten Klosteranlage – zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

FISCH AUS DEN EIGENEN WEIHERN

Den Zisterziensern war es verboten, das Fleisch „vierfüßiger Tiere“ zu essen. Fische fielen als „Flussgemüse“ jedoch nicht unter das Verbot. Entsprechend spielte Fisch im Klosteralltag eine wichtige Rolle. Doch in Fastenzeiten stieg auch die Nachfrage nach Fisch in der Bevölkerung. Um diesen großen Bedarf zu decken, ging Kloster Maulbronn wie viele andere Klöster dazu über, Fische in seinen Weihern zu züchten. So wuchsen Aale, Hechte und Karpfen in den Klosterteichen heran, um abgefischt und verkauft zu werden.

Zisterzienser-Mönche beim Fischen.

AUFWÄNDIGE FISCHZUCHT

Die unterschiedlich großen Teiche in Maulbronn zeugen von einer aufwändigen und spezialisierten Fischzucht. Hier wurden Fische eigens nach Alter, Größe und Art eingesetzt und aufgezogen. Karpfen und Hecht waren die bedeutendsten Speisefische in Maulbronn. Es finden sich aber auch Schleien, Barsche, Rotaugen und Karauschen in den Besatzlisten der Mönche. Von den im 12. Jahrhundert angelegten Weihern sind heute nur noch drei vollständig erhalten: der Tiefe See, der Roßweiher und der Aalkistensee.

Die Mönche legten eigene Weiher zur Fischzucht in der Umgebung an.

Karpfen im Teich; Foto: Pixabay, gemeinfrei

Die Speisen sollten leicht essbar sein.

PERFEKTIONIERUNG DER KARPFENZUCHT

Die Karpfenzucht wurde im Kloster Maulbronn weiter entwickelt und perfektioniert. Mit viel Geduld und Mühe gelang es den Mönchen, den Spiegelkarpfen zu züchten, der – im Vergleich zum Wildkarpfen – nur noch wenige Schuppen besitzt. Das taten sie, um die Zähne der mittelalterlichen Bevölkerung und der Klosterherren zu schonen. Speisen sollten möglichst leicht zu kauen sein, da es um die Gesundheit von Zähnen nicht zum Besten stand und Karpfen mit Haut und Schuppen gegessen wurden.

Ausschnitt von Speyer aus einem Holzschnitt aus Sebastian Münsters "Cosmographia universalis", Basel 1550; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Fischhandel mit Speyer.

REGER HANDEL MIT FISCH

Zwischen dem Maulbronner Kloster und dem Dom in Speyer gab es einen regen Handel bei der Fischzucht: Weil der Aal, einer der fettreichsten und im Mittelalter einer der beliebtesten Fische, nicht in Binnengewässern laichen kann, fanden im 15. Jahrhundert Fischtransporte zwischen Maulbronn und Speyer statt. Karpfen wurden in mit nassem Stroh gefüllten Fässern zum Dom in Speyer gebracht und Aale aus dem Oberrhein wurden in Kisten zum Aalkistensee nach Maulbronn transportiert.

TIPP

Unsere heutige Tischkultur ist durch eine weit zurückreichende Tradition noch immer tief in der Geschichte verwurzelt. Das Themenportal „Von Tisch und Tafel“ begleitet auf eine kulinarische Reise durch die Kulturgeschichte rund um die Gaumenfreuden von der Antike bis in die Gegenwart.

Von Tisch und Tafel