Bischof Gunther von Speyer und Ritter Walter von Lomersheim bitten Maria, die Kirche als Opfer anzunehmen, rechte Innenseite der Stiftungstafel, Öl auf Holz, 1450

Zum ewigen Gedächtnis

Die Stiftungstafel

Die Stiftungstafel hat die Form eines kleinen hölzernen Flügelaltars und entstand um 1450, als das Kloster seine größte wirtschaftliche und politische Blüte erlebte. Eindrucksvoll schildern Bilder und Worte die Gründungsgeschichte des Klosters und erinnern an seine Klosterstifter.

Bernhard von Clairvaux kniet vor der thronenden Muttergottes mit Kind und empfiehlt die Kirche als Opfer, linke Innenseite des Flügels der Stiftungstafel, Öl auf Holz, 1450

Bernhard von Clairvaux kniet vor der Muttergottes.

Die Innenflügel: Stifter und Ordensheiliger

Auf dem einen Innenflügel bringen die Klosterstifter Ritter Walther von Lomersheim und Bischof Gunther von Speyer die Klosterkirche der Heiligen Muttergottes dar. Das Spruchband verrät, dass sie Maria dabei um ihren Schutz bitten. Das Modell der Klosterkirche, das die Stifter in Händen halten, ist recht unzisterziensisch: Der Orden verlangte den Bau einer Kirche ohne Türme! Auf dem anderen Innenflügel kniet der heilige Bernhard von Clairvaux vor der thronenden Muttergottes und empfiehlt die Kirche als Opfer.

Zisterzienser (in weißer Mönchskutte) beim Bau der Kirche, rechterAußenteil des Flügels der Stiftungstafel, Öl auf Holz, 1450

Überfall auf Reisende.

Rechter Aussenflügel: ein Leistungsnachweis

Hier sind Reisende und Pilger zu sehen, die auf ihrem Weg von Wegelagerern und Raubrittern überfallen werden. Solche Szenen kommen in Gründungslegenden von mehreren Zisterzienserklöstern vor. Sie sollen dem Betrachter signalisieren, wie schwierig und anstrengend es für die Mönche in der Gründungszeit war, das unwirtliche Land zu kultivieren – ein deutlicher Hinweis auf die Leistung der Zisterzienser.

Zisterzienser (in weißer Mönchskutte) beim Bau der Kirche, linker Außenteil des Flügels der Stiftungstafel, Öl auf Holz, 1450

Zisterzienser beim Bau der Kirche.

Linker Aussenflügel: die Baumeister

Der Bau der Klosterkirche ist in vollem Gange: Zimmerleute, Steinmetze und Maurer tummeln sich auf dem linken Außenflügel. Im Hintergrund treibt ein Zisterzienser ein Tretrad an, mit dem gerade ein Stein auf die Westwand der Klosterkirche gehoben wird. Die Bauarbeiter sind Mönche in weißem Habit und schwarzem Skapulier – die Herrenmönche. Das ist eine völlig idealisierte Darstellung, denn die Wirklichkeit sah anders aus. Solche „niedere“ Arbeiten verrichteten Laienmönche in braunem Arbeitsgewand.

Die Mitteltafel: Wie lautet das Gründungsdatum?

Über die Gräber der Stifter, die Gründung des Klosters und dessen Weihe berichtet die große Mitteltafel in deutscher Sprache. 1575 und 1616 wurden die Flügel übermalt und der Text der Mitteltafel verändert. Dabei auffällig: Das Gründungsdatum wurde von 1147 in 1138 geändert. Die Gründung am heutigen Standort erfolgte 1147. Die Zisterzienser kamen aus dem acht Kilometer entfernten Eckenweiher, wo Ritter Walter schon 1138 Land zur Verfügung gestellt hatte – eine ungünstige Lage für den Bau eines Klosters.

Die Mitteltafel der Stiftungstafel, Öl auf Holz, 1450

Die mittlere Tafel der Stiftungstafel mit dem Text zur Gründungsgeschichte des Klosters von Maulbronn.

Wo die Stiftungstafel ursprünglich hing, ist heute unbekannt. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Aufbewahrungsort. Seit 1997 können Sie das geschichtsträchtige Kunstwerk im Klostermuseum im Frühmesserhaus besichtigen.

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