Relief am Hochaltar der Klosterkirche Maulbronn

Leiden ins Gesicht geschrieben

Die Reliefs am Hochaltar

Die drei eindrucksvollen Reliefs aus Eichenholz stehen seit 1978 auf der großen Sandsteinplatte des Hochaltars. Sie gehören zu einem verlorenen größeren Altar und thematisieren die Passionsgeschichte Christi: die Annagelung ans Kreuz, die Kreuzigung und die Beweinung.

Figuren am Hochaltar der Klosterkirche Maulbronn

Goldreste zeugen von einst noch größerer Pracht.

Meisterwerke süddeutscher Schnitzkunst

Die Reliefs sind die Reste eines teilweise gemalten oder sogar komplett geschnitzten Hochaltares, der 1394 im Kloster seine Weihe erhielt. Früher muss der Altar noch viel kostbarer gewirkt haben, als die Reliefs bis auf die Gesichter der Figuren farbig gefasst und vergoldet waren. Spuren der Vergoldung sind noch zu entdecken. Die vorzügliche Schnitzarbeit wird einer süddeutschen Werkstatt zugeschrieben, die Anregungen der berühmten Bildhauerfamilie Parler verarbeitete.

Annagelung Christi ans Kreuz, Figurenschnitzerei am Hochaltar der Maulbronner Klosterkirche
Beweinung Christi, Detail aus der Figurenschnitzerei am Hochaltar der Maulbronner Klosterkirche
Beweinung Christi, Figurenschnitzerei am Hochaltar der Maulbronner Klosterkirche

Detailgetreu und emotional zeigen die kunstvollen Schnitzereien Szenen aus der Passionsgeschichte Christi

Gefühle realistisch dargestellt

Typisch für Skulpturen des ausgehenden 14. Jahrhunderts ist die realistische Darstellung der Gefühle. Die ausdruckstarken Gesten der Figuren vermitteln Trauer und Schmerz, Häme und Spott. Beispielhaft ist die Kreuzannagelung: Herodes wirkt teilnahmslos, die Frauen sind geschockt und die Schergen, die Christus ans Kreuz nageln, hämisch – mit eindringlicher Sprache wird das Geschehen geschildert.

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