Blick in die Klosterkirche des Klosters Maulbronn

Baukunst der Zisterzienser

Die Klosterkirche

Den Weg zur Klosterkirche weist der ungewöhnlich hohe Dachreiter mit Glockenstuhl. Weitere Türme durfte eine Kirche der Zisterzienser nicht haben. Die romanische Kirche, nach rund 30 Jahren Bauzeit 1178 geweiht, wurde in der Gotik ergänzt und umgebaut – und steckt voller Schätze.

Gotisches Netzrippengewölbe im Langhaus der Kirche des Klosters Maulbronn

Deckenschmuck im Langhaus.

Kunstvolle Verbindung von Romanik und Gotik

Der Innenraum der Klosterkirche vermittelt trotz der gotischen Umgestaltung noch die schlichte und strenge Bauweise der Zisterzienser. In das romanische Langhaus, das ursprünglich mit einer flachen Holzbalkendecke versehen war, ließ Abt Albert von Ötisheim im 15. Jahrhundert ein gotisches Netzrippengewölbe einziehen und gotische Stifterkapellen anbauen. Sehenswert ist die westlichste Kapelle mit einer Dämonengestalt auf der Konsole und wandfüllenden Malereien von Akeleien – im Mittelalter als Heilpflanze bekannt.

Totenpforte im südlichen Querhaus des Klosters Maulbronn

Totenpforte im südlichen Querhaus.

Die Wege der Mönche

Die romanische Chorschranke teilt die Kirche entsprechend der Klosterregel in Mönchschor und Laienkirche. Zu ihren nächtlichen Gesängen und Gebeten gelangten die Mönche von ihrem Schlafsaal im Obergeschoss über die Treppe auf kürzestem Weg in ihren Teil der Kirche. Eine Türe führte unmittelbar in den Kreuzgang zu ihren Arbeits-, Studier- und Gemeinschaftsräumen. Durch die sogenannte Totenpforte im südlichen Querarm trat man seit dem 19. Jahrhundert unmittelbar auf den Friedhof – daher ihr Name.

Mittelalterliche Kunstschätze

Unter den zahlreichen Kunstschätzen der Klosterkirche sind besonders die aufwendig geschnitzten Reliefs des Hochaltars und des Chorgestühls sowie das zentrale steinerne Kruzifix vor der romanischen Chorschranke hervorzuheben. Kreuz und Christuskörper bestehen aus einem einzigen Steinblock! Wandmalereien an der Süd- und Nordwand handeln von der Stiftung des Klosters und zeigen biblische Szenen wie die Anbetung der Könige.

Detail des Chorgestühls im Mönchschor der Kirche des Klosters Maulbronn
Detail des Chorgestühls im Mönchschor der Kirche des Klosters Maulbronn
Detail des Chorgestühls im Mönchschor der Kirche des Klosters Maulbronn

Ein genauerer Blick lohnt sich: Fein ausgearbeitete Reliefs schmücken verschiedene Stellen der Klosterkirche.

Sockel des nördlichen Ziboriums in der Kirche des Klosters Maulbronn

Sockel des nördlichen Ziboriums mit Totenschädeln.

Hinschauen lohnt sich

Zwei sogenannte Ziborienaltäre – mit steinernen Baldachinen überdachte Altäre – fallen sofort ins Auge. Schauerlich muten die Kröten, Echsen und Totenschädel an, die die Säulenfüße des nördlichen Altarbaldachins zieren. In der Nische des südlichen Altars steht eine Madonnenfigur mit Kind: Sie entstand kurz vor 1400 und erinnert an die Reliefs auf dem Hochaltar, die ebenfalls in dieser Zeit geschaffen wurden – Vorbild waren jeweils die Arbeiten der berühmten Baumeister- und Bildhauerfamilie Parler.

Nur einmal im Jahr ist das als „Maulbronner Wunder“ bekannte Ereignis zu erleben: Am 21. Juni, wenn die Sonne zwischen 11 und 12 Uhr ihren höchsten Stand erreicht, fallen Sonnenstrahlen durch eines der roten Glasfenster. Sie treffen die Dornenkrone der Christusfigur am Kreuz – es wirkt, als ob die Figur tatsächlich blutet.

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