Innenhof des Klosters Maulbronn mit Brunnen

Auf den Spuren der Zisterzienser

Das Kloster

Maulbronn gilt als die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen. Die Zisterzienser begannen Mitte des 12. Jahrhunderts mit dem Bau – über die Jahrhunderte entstand eine riesige Klosterstadt. Seit 1993 gehört das Kloster zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Frühgotische Vorhalle in Kloster Maulbronn mit Kreuzrippengewölbe

Die Vorhalle der Klosterkirche, Paradies genannt.

Frühgotische Innovation

Die noch im 12. Jahrhundert geweihte Klosterkirche und die Klausur wurden ursprünglich in romanischem Stil errichtet. Im frühen 13. Jahrhundert führte der sogenannte Paradiesmeister mit dem Bau von Kirchenvorhalle, Herrenrefektorium und südlichem Kreuzgangflügel frühgotische Formen im Kloster ein. Brunnenhaus, Laienrefektorium und Spitalgang stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Außerdem erweiterten die Mönche ihre Klosteranlage um zahlreiche stattliche Wirtschaftsgebäude im westlichen Klosterhof.

Blick ins Langhaus der Laienkirche des Klosters Maulbronn

Langhaus der Laienkirche zur Weihnachtszeit.

Spätgotische Modernisierung

Im 14. und frühen 15. Jahrhundert erfuhr der Kernbereich des Klosters, darunter Kapitelsaal, Kreuzgang und Brunnenhaus, eine spätgotische Modernisierung. Die Kirche erhielt zu dieser Zeit große Maßwerkfenster, ein Netzrippengewölbe und neue Wandmalereien. Abt Albert von Ötisheim ließ Stifterkapellen an das südliche Seitenschiff anbauen. Im Osten der Klausur stockte er das Krankenhaus auf und funktionierte es zu einem großen Gästehaus, dem Herrenhaus, um. Das Kloster gelangte in dieser Zeit zu einer neuen Blüte.

Maulbronn unter den Württembergern

Das ehemalige Jagdschloss Herzog Ludwigs.

Maulbronn unter den Württembergern

Die Herzöge von Württemberg, die im 16. Jahrhundert die Herrschaft über Maulbronn besaßen, richteten im Zuge der Reformation hier eine Klosterschule ein. Insbesondere die Gebäude des östlichen Hofs wurden den neuen Anforderungen entsprechend angepasst: Das Herrenhaus wurde zum Sitz des Ephorus, des Schulleiters. Herzog Ludwig ließ ein Jagdschloss im Renaissancestil als repräsentative Residenz bauen. Maulbronn entwickelte sich zunehmend zu einem Verwaltungsmittelpunkt mit dem Gepräge einer Kleinstadt.

Dreischaliger Brunnen im Brunnenhaus des Klosters Maulbronn

Der dreischalige Brunnen im Brunnenhaus.

Romantische Verklärung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich zunehmend ein besonderes Interesse für die Kunst und Architektur früherer Epochen. Speziell das Mittelalter wurde wiederentdeckt und führte dazu, dass Burgen, Klöster und Ruinen aus dieser Zeit, darunter auch Maulbronn, zu nationalen Baudenkmälern erklärt wurden. Teilweise gingen die Architekten damals so weit, völlig neue Bauteile zu erschaffen, um das Mittelalter zu „rekonstruieren“, so etwa Teile des dreischaligen Brunnens oder das Obergeschoss des Laienrefektoriums.

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