Unesco-Weltkulturerbe mit lebendiger Atmosphäre

Kloster Maulbronn

Lebensmittelpunkt der Mönche

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang verbindet die wichtigsten Funktionsräume des Klosters: Kirche, Kapitelsaal, Schlaf- und Speisesaal. Er entstand in mehreren Bauphasen und birgt zahlreiche romanische und gotische Bauteile. Eine Überprüfung der Baugeschichte bis ins Detail ist Sache der Bauforscher.

Südlicher Kreuzgang des Klosters Maulbronn; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Julia Haseloff

Der südliche Kreuzgang.

Meisterwerk der Frühgotik: der Südflügel

Die Werkstatt des Paradiesmeisters errichtete um 1210 bis 1220 den frühgotischen Südflügel. In diesem Kreuzgangflügel stand eine Bank, die von den Mönchen für ihre Abendlesung genutzt wurde – daher auch der Name Leseflügel. Der südliche Kreuzgang ist überwölbt mit einem sechsteiligen Kreuzrippengewölbe. Schmale hohe Rundbogenfenster öffnen sich zum Kreuzgarten hin. Auffallend sind die hervorragend gearbeiteten Blattkapitelle, wie sie auch im Paradies und im Herrenrefektorium zu sehen sind.

Gewölbekonsole im westlichen Kreuzgangflügel des Klosters Maulbronn; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Gewölbekonsole aus dem westlichen Kreuzgangflügel.

Der Westflügel: Pflanzen und Tiere im Stein

Sehenswert sind die mit Pflanzen- und Tiermotiven verzierten Konsolen aus der Zeit des Hochmittelalters im westlichen Flügel des Kreuzgangs. Reste einer überarbeiteten Wandgliederung deuten auf einen Umbau zu Beginn des 13. Jahrhunderts hin. Durch ein Portal aus dem 15. Jahrhundert gelangten die Laienbrüder von hier aus in ihren Bereich der zweigeteilten Klosterkirche.

Besucher in Kloster Maulbronn; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Niels Schubert

Fürs Auge: die faszinierende gotische Architektur.

Verbindungsbau am Ostflügel

Vom östlichen Kreuzgang gelangt man in den spätgotischen Verbindungsbau mit prächtigem Netzrippengewölbe. Dieser korridorähnliche Bau führte einst zur Infirmerie, der Krankenstation im östlichen Hof. Als Baumeister fungierte der Laienbruder Conrad von Schmie. An der Ostwand ist die thronende Maria mit Kind zu sehen, neben ihr knien die beiden heiligen Äbte Benedikt von Nursia und Bernhard von Clairvaux. Der Symbolik des Wandgemäldes zufolge wurde der Verbindungsbau als Marienkapelle genutzt.

Das Kloster – kein Ort für Kälteempfindliche

Die Treppe im Ostflügel weist den Weg zum Dormitorium, dem Schlafsaal der Mönche im Obergeschoss. Hier nutzten die Mönche mehrere kleine Räume als Studiensaal und Schreibstube. Daneben liegt das Kalefaktorium, die Wärmestube, und einziger beheizbarer Raum des Klosters. Im darunter liegenden Heizraum gab es eine geschlossene Feuerstelle, die von außen bedient werden konnte. Durch verschließbare Öffnungen strömte die erwärmte Luft durch die Decke in die darüberliegende Wärmestube.

Nur ein einziger Raum des Klosters war beheizbar.