Von der Klosterschule zum Evangelischen Seminar

Herzog Christoph von Württemberg

1556: Herzog Christoph (1515-1568) wandelte im Zuge der Reformation die großen Männerklöster zu Klosterschulen um. Hier wurde nun der evangelische Pfarrernachwuchs ausgebildet. Dass Württemberg eine ungewöhnlich hohe Zahl prominenter Namen zur deutschen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte beigesteuert hat, ist vor allem diesen Klosterschulen zuzuschreiben.

Früher Ephorat - heute Teil des Seminars

Hochmodern

Bei ihrer Gründung waren die Klosterschulen hochmodern: Erstmals konnten Kinder armer Leute höhere Bildung erwerben, gebunden allerdings an die Auflage, später Theologie in Tübingen zu studieren und Pfarrer oder Lehrer zu werden. Hatten die Jungen – meist 10 bis 14 Jahre alt – die Aufnahmeprüfung bestanden, hatten sie ein Stipendium für die weitere Ausbildung: Kost, Logis, Unterricht, Kleidung und Lehrmittel. Der Alltag der Schüler war streng geregelt und vom Unterricht bestimmt.

Karikatur eines Schülers

Erfolgsdruck, strenge Disziplin, eine Fülle an Lehrstoff, dürftige Kost, frühes Aufstehen und feuchte Gemäuer – nicht wenige Zöglinge waren überfordert. Darüber legen Briefe, Erzählungen und eine ganze Reihe von Karikaturen aus Schülerhand ein lebendiges Zeugnis ab.

Klosterschule wird Seminar

Ab 1806 – im Zuge der Säkularisation – zählten alle Klöster zum Staatsbesitz: Die Klosterschulen wurden zu Körperschaften öffentlichen Rechts und in Evangelisch-theologische Seminare umbenannt. Pädagogische Reformen lockerten die Schulordnung und passten das Lehrprogramm zeitgenössischen Vorstellungen an, der Zweck der Ausbildung allerdings blieb erhalten.

Blick von Westen auf die Klosterkirche mit Paradies und Brunnen. Im Vordergrund kegelnde Seminaristen. Stahlstich nach einer Zeichnung von Louis Mayer, 1836.

Seminaristen vor der Klosterkirche


Vier Seminare gab es 1817 in Württemberg; heute haben nur noch die Gymnasien in Blaubeuren und Maulbronn Bestand. 1969 wurden erstmals Mädchen zugelassen, seit 1972 werden in Maulbronn Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet.
Die evangelische Landeskirche und das Land Baden-Württemberg als Träger des Maulbronner Seminars haben sich zu einem weiteren Ausbau des Gymnasiums entschlossen. Dazu bietet das stattliche, aus dem 12. Jahrhundert stammende Mühlengebäude an der nördlichen Klostermauer genug Platz!

Mehr Informationen über bedeutende Maulbronner Klosterschüler erhalten Sie unter "Berühmte Personen".

Weitere Informationen zu Maulbronn
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook