Zehn Höhepunkte in Maulbronn


          

Sie planen einen Besuch in Maulbronn?
Wir schlagen Ihnen auf dieser Seite zehn Höhepunkte vor: Die sollten Sie bei Ihrem Besuch unbedingt sehen!

Weitere Informationen zu den Öffnungszeiten und Eintrittspreisen lesen Sie hier.

Wirtschaften und Verwalten groß geschrieben – der Klosterhof

Klosterhof mit Fruchtkasten links

Der Wirtschafts- und Verwaltungshof nimmt mehr als die Hälfte der Klosteranlage ein. Er ist von den warmtonigen Fassaden der frühen Steinbauten, aber auch von Fachwerkhäusern aus verschiedenen Jahrhunderten geprägt. So weitläufig wie heute war der Klosterhof früher keineswegs: Im 18. Jahrhundert riss man die mittelalterliche die innere Befestigungsmauer ab.

Das größte Einzelgebäude ist der imposante Fruchtkasten, heute Stadthalle. Der etwa 45 m auf 25 m große Bau diente als Speicherraum, Kelter und Weinkeller. Hier wurden Holzbehälter wie Fässer, Bottiche, Scheffel oder Kästen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse gelagert, gereinigt und repariert. Der bereits kurz nach 1200 errichtete und 1580 umgebaute Fruchtkasten macht die wirtschaftliche Kraft des Klosters deutlich.

 

Ein Bauwunder im „Paradies“

Paradies von innen

Die Vorhalle der Klosterkirche, das Paradies, ist ein Meisterwerk der Frühgotik, entstanden um 1220. Da man den Namen des Architekten nicht kennt, gaben ihm die Bauforscher die Bezeichnung „Paradiesbaumeister“. Seine Werkstatt verwirklichte in Maulbronn einen der schönsten Räume der Frühgotik: weiträumig und mit noblen Proportionen. Hier beginnt die Auflösung der kompakten Wandpfeiler romanischer Zeit in einzelne Glieder – Einfluss der frühen Gotik Nordfrankreichs. Übrigens: Die Bezeichnung „Paradies“ für die Vorhalle ist 1288 zum ersten Mal urkundlich bezeugt.

 

Hoch dekoriert! Die Portale der Klosterkirche

Portal

Einmalig sind Haupt- und Nebenportale der Klosterkirche, die ältesten datierbaren Türen Deutschlands! Das Hauptportal aus Tannenholz gehört zur Originalausstattung der Kirche von 1178. Es hat kunstvoll gearbeitete schmiedeeiserne Zierbeschläge. Auf beiden Flügeln haben sich Reste der aufgeklebten Pergamentbespannung aus kompletten Tierhäuten erhalten, die ursprünglich rot bemalt waren.

Auf dem einflügeligen Südportal sind Türbeschläge in stilisierter Vogelform, Ziernägel als Schmuck und als Fixierung der Bespannung erhalten geblieben.

Die Tür des Nordportals mit alten schmiedeeisernen Bändern wurde ersetzt und mehrfach überarbeitet.

      


 

Realistisches Leiden: das Maulbronner Kruzifix

Kruzifix

Die romanische Chorschranke trennt den Mönchschor von der Laienkirche. Ursprünglich befand sich das Kruzifix auf dieser Chorschranke, heute steht es zwischen der Chorschranke und dem Altar der Laienkirche.

Das wuchtige Kreuz sieht aus wie ein roh behauenes, rissiges Holzkreuz; der relativ zierliche Körper Christi scheint an dieses Kreuz genagelt. In Wirklichkeit sind Kreuz und Körper aus einem gewaltigen Steinblock gemeißelt. Vor allem beeindruckt der Realismus in der Darstellung der Oberfläche und des leidenden Körpers – eine in dieser Zeit völlig neue Art der Darstellung!
Der Künstler hat sein Werk auf der Rückseite mit „1473“ datiert und mit „CVS“ signiert: möglicherweise der Meister Conrad von Sinsheim.

 

Ein Platz in der ersten Reihe: das Chorgestühl

Chorgestühl

Das reich geschnitzte gotische Chorgestühl, das in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gefertigt worden ist, bot 92 Mönchen Platz. Die Seiten des Gestühls sind mit sehr lebendigen Reliefszenen aus der Bibel geschmückt: zum Beispiel eine Jungfrau mit Einhorn oder Moses am brennenden Dornbusch – also bitte genau hinschauen!

Der Meister dieser Schnitzkunst kommt aus dem Umkreis des berühmten Ulmer Bildhauers Hans Multscher. Übrigens gibt es noch andere „Schnitzkunst“ am Gestühl zu entdecken: Zahlreiche Schüler der evangelischen Klosterschule haben ihre Namen hineingeritzt...

 

Wertvolle Reste: drei Reliefs auf dem Hochaltar

Hochaltar

Auf der großen Sandsteinplatte des Hochaltares stehen drei beeindruckende Reliefs aus Eichenholz. Sie zeigen Szenen aus der Passion Christi: die Kreuzannagelung, die Kreuzigung und die Beweinung.

Es sind die Reste eines teilweise gemalten oder sogar ganz geschnitzten Hochaltares, den das Kloster 1394 weihen konnte. Dieser muss aufs Kostbarste gewirkt haben, wenn man sich die Reliefs genauer anschaut: sichtbare Spuren der Vergoldung. Nur die Gesichter waren ausgenommen.

Die vorzügliche Schnitzarbeit wird einer süddeutschen Werkstatt zugeschrieben, die Anregungen durch die berühmte Bildhauerfamilie Parler verarbeitete.

 

Das Brunnenhaus: ein magischer Ort zum Waschen

Brunnenhaus von innen

Es liegt am nördlichen Kreuzgang, dem Herrenrefektorium gegenüber. Das Brunnenhaus wurde von Bergquellen nördlich des Klosters mit Frischwasser versorgt und diente den Mönchen für die Reinigung, für rituelle Waschungen und für das Schneiden ihrer Tonsuren.

Im 13. Jahrhundert wurde das Brunnenhaus als kreisförmiger Zentralbau bis zur Brüstungshöhe hoch geführt. Um 1340/1350 kamen fünf Maßwerkfenster und die Einwölbung hinzu. Der Fachwerkaufbau stammt aus der Zeit um 1611, wohl nach Plänen des schwäbischen Baumeisters Heinrich Schickardt.

Die volle Schönheit des Brunnenhauses entfaltet sich im Inneren. Seit der Rekonstruktion von 1878 besteht der Brunnen aus drei Schalen und einem kegelförmigen Bleiaufsatz. Originell sind die Rötelmalereien im Gewölbe, hier vor allem die Szene zur Gründungslegende des Klosters: der am Brunnen trinkende Maulesel.

 

Das Herrenrefektorium: Speisen im großen Stil

Herrenrefektorium

Das zweischiffige Herrenrefektorium war um 1230 fertig gestellt. Hier nahmen die Mönche ihre Mahlzeiten ein; zugleich bekamen sie während der Mahlzeiten religiöse Schriften zu hören – der Vorleser stand auf einer erhöhten Lesekanzel an der Ostwand. An der Westwand ist die ehemalige Durchreiche zur Klosterküche zu sehen.

Die Qualität der Steinmetzarbeiten und die riesigen Dimensionen – das Herrenrefektorium ist 27,20 m lang, 11,50 m breit und 10,40 m hoch – zeigen den Anspruch der Mönche auf einen repräsentativen Saal, der einer Königshalle durchaus würdig ist. Ein besonderes Raumerlebnis! Es lohnt sich auch der Blick auf die Details, zum Beispiel auf die feinen Ornamente und Figuren der Rötelmalereien im Gewölbe.

 

Klösterliche Kommunikation im Kapitelsaal

Kapitelsaal

Die Mönche kamen im Kapitelsaal zur täglichen Lesung der Ordensregeln zusammen – daher der Name des Raumes! Außerdem kamen hier persönliche und ordenseigene Angelegenheiten zur Aussprache.

Der Kapitelsaal entstand zwischen 1270 und 1300. Der Raumcharakter wird bestimmt durch die drei Rundpfeiler, die das gotische Sternengewölbe tragen. Auffallend sind die großen Maßwerkfenster, die den Kapitelsaal zum östlichen Kreuzgang hin öffnen, und der Kapellenerker an der Wand gegenüber. Bemerkenswert ist die Raumdekoration: das Vogelkapitell mit acht Adlern, die plastisch ausgebildeten Schlusssteine sowie die reichen Rötelmalereien aus der Zeit um 1517 mit Pflanzenranken und Passionswerkzeugen.

 

Rund ums Kloster: Auf den Spuren der Zisterzienser

Tiefer See

Unter dem Motto „Wasser, Wein und Wald in zisterziensischer Kulturlandschaft“ hat die Stadt Maulbronn in enger Zusammenarbeit mit dem schwäbischen Albverein Maulbronn fünf Rundwanderwege erarbeitet. Sie sind von unterschiedlicher Länge und so konzipiert, dass vor oder nach einer Klosterbesichtigung die zisterziensische Kulturlandschaft – Teil des UNESCO-Welterbes – entdeckt werden kann.

 

1. Mönchsweg: Rund um das Kloster – Naturfreibad Tiefer See mit Bootsfahrten (1,6 km, 30 Minuten)

2. Klosterweinweg: Weinlehrpfad – Aussichtspunkt „Auf den Schranken“ – Studentenbrünnele (2 km, 40 Minuten)

3. Zisterzienserweg: Weinlehrpfad – Aussichtspunkt „Auf den Schranken“ – Seidehof – Rossweiher – Schafhof – Naturfreibad Tiefer See mit Bootsfahrten (3 km, 60 Minuten)

4. Klosterseenweg: Klosterhof – Wannenbachweg – Hohenackersee – Rossweiher – Schafhof – Naturfreibad Tiefer See mit Bootsfahrten (4,5 km, 90 Minuten)

5. Steinhauerweg: ab Wannenbachsträßle Richtung Schmie zum Wanderparkplatz "Diebsbusch". Von dort aus Rundwanderung nach Schmie (8 km, 160 Minuten)

 

Einen Flyer mit allen fünf Wanderwegen finden Sie als pdf zum Herunterladen hier!

Weitere Informationen zu Maulbronn
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook