Viele Generationen von Schülern haben die Klosterschule in Maulbronn bzw. ab 1806 das Maulbronner Seminar besucht. Einige der bedeutendsten Schüler stellen wir hier vor:
Der Weg des 1571 in Weil der Stadt geborenen Johannes Kepler vom elterlichen Bauernhof zum weltberühmten Himmelsforscher war nicht vorgezeichnet und äußerst hart. In der Maulbronner Klosterschule wird er wegen seiner bäuerlichen Herkunft verachtet, er findet keine Freunde, ist aber trotzdem ein ausgezeichneter Schüler. Johannes Kepler wäre gerne Pfarrer geworden; er hatte außerdem literarisches Talent, es sind über 60 lateinische und deutsche Gedichte von ihm erhalten. Seine erste Stelle ist eine Mathematikprofessur in Graz: Johannes Keplers Laufbahn als herausragender Himmels- und Sternenkundler stand nun nichts mehr im Wege. Seinen wissenschaftlichen Texten merkt man noch die literarische und rhetorische Ausbildung seiner Schulzeit an: Sie sind ungewöhnlich vergnüglich zu lesen.
Als Sechzehnjähriger wird Friedrich Hölderlin 1786 als Seminarist ins Kloster Maulbronn aufgenommen. Hier durchlebt er die Freuden und Leiden, die auch die meisten seiner Altersgenossen teilen: die der ersten großen Liebe. Seine Auserwählte ist Louise Nast, die jüngste Tochter des Klosterverwalters. Hölderlins Liebe trägt literarische Früchte. Vielleicht muss ihm diese Beziehung auch ein wenig über seine Einsamkeit unter den Mitschülern hinweghelfen - er freundet sich mit keinem von ihnen an.
Im Fach "Poesie" wird er als sehr gut bewertet. Seine Liebe zu Louise Nast währt nicht lange. Im Mai 1789, schon als Student in Tübingen, löst Friedrich Hölderlin das Verhältnis. Er nennt nicht nur seinen "dichterischen Ehrgeiz" als einen Beweggrund, sondern auch seinen "sonderbaren Charakter". Vielleicht sind diese Einschätzungen schon zukunftsweisend: Der Dichter stirbt 1843 in geistiger Umnachtung in Tübingen.
Herweghs Augenmerk lag auf dem politischen Gewicht seiner Literatur. Eine regelrechte Triumphreise führte ihn mit seinem Buch "Gedichte eines Lebendigen" durch Deutschland, bis er von Wilhelm IV. aus Preußen ausgewiesen wurde und in die Schweiz ging. Vom Honorar der erwähnten Veröffentlichung erstattete Herwegh übrigens dem Tübinger Stift seine Stipendiengelder zurück.
Georg Herweghs Werdegang begann, wie bei vielen Maulbronner Zöglingen, 1831 mit Krankheit. Nachdem diese überwunden war, entwickelte sich der "alumnus" zu einem begabten Schüler, dessen Hang zur Aufmüpfigkeit jedoch ausführlich im Strafverzeichnis des Seminars dokumentiert ist.
Herwegh verbanden viele Freundschaften mit herausragenden politischen Größen seiner Zeit. Der schnell vergessene, aber einst hochberühmte Dichter ist in der Schweiz begraben. Seine Grabinschrift lautet: "Hier ruht, wie er`s gewollt, in seiner Heimat freien Erde, Georg Herwegh: von den Mächtigen verfolgt, von den Knechten gehaßt, von den meisten verkannt, von den Seinen geliebt."
Mit David Friedrich Weinland verbinden Generationen von Schwaben vor allem seinen berühmten Jugendroman "Rulaman", der die Zeit der "Höhlenmenschen und Höhlenbären" auf der Schwäbischen Alb beschreibt.
Weinland entscheidet sich nach seinem Besuch der Maulbronner Klosterschule aber gegen den Dienst als Pfarrer und studiert anschließend Naturwissenschaften. Forschungsaufträge führen den Doktor der Zoologie von Berlin über Massachusetts nach Kanada, Mexiko und Haiti. Ob Weinlands Maulbronner Zeit für seinen künftigen Werdegang bedeutend war, ist nicht geklärt. Sicher ist allerdings, dass die Seminaristen angehalten waren, sich viel in der Natur zu bewegen und auch ausgedehnte und regelmäßige Wanderungen in der Umgebung unternahmen.
Die erste schwere Krise seines jungen Lebens erlebte Hermann Hesse in der Klosterschule Maulbronn, in die er 1891 im Alter von 14 Jahren eintrat. Er verlässt unerlaubt die Schule und wird erst am folgenden Tage wiedergefunden. Die Nacht hatte er auf freiem Feld verbracht. Da man die Ursache seiner Flucht zu Recht in einem schwierigen "Gemütszustand" vermutet, bestraft man ihn nicht allzu hart. Auf Betreiben der Eltern anderer Schüler und aufgrund des Vorschlags, Hermann das freiwillige Verlassen der Schule nahezulegen, kommt es zu seinem vorzeitigen Abschied aus Maulbronn.
Die Suche Hermann Hesses nach Orientierung in seinem Leben soll noch einige Jahre anhalten. Schon während seiner Buchhändlerlehre erscheinen Gedichte von ihm, er beginnt seine Laufbahn als Schriftsteller. Die Erlebnisse im Seminar verarbeitet er u.a. in seinem Roman "Unterm Rad".
(Quelle: Hansjörg Ziegler: Maulbronner Köpfe. Katalog zur Ausstellung 1987. Wilfried Melchior Verlag, 1987.)